Plötzlich nicht mehr da
Es ist Nacht. Kurz nach 1 Uhr. Gerade habe ich meinen Kleinen wieder in den Schlaf begleitet und er schlummert schön in meinem Arm. Mein Mann schläft im Gästezimmer, da er so dollen Husten hat, dass er uns nicht vom Schlaf abhalten will. Auch meine Augen sind gefühlt gerade wieder zugefallen, da klingelt um kurz nach eins mein Handy – die Nummer meiner Eltern. Das kann nichts Gutes bedeuten. Mein Papa ist dran und ich ahne das Schlimmste. Er sagt den einen Satz, den ich nie mehr vergessen werde: „Mäuschen!? ich glaube Mama ist tot!“
Meine Mama war 78 Jahre alt, war fit und voller Lebensfreude. Sie war die stolzeste Omama der Welt und der warmherzigste und positivste Mensch und hat gerne und voller Freude gelebt und so gerne gelacht. In dieser Nacht hat ihr Herz einfach aufgehört zu schlagen – plötzlicher Herztod. Von einem auf den nicht mehr folgenden nächsten Herzschlag war ihr Leben vorbei.
Mein Papa war vor ihr ins Bett gegangen und hat sie gefunden, als er nochmal aufstand , um zur Toilette zu gehen. Sie war dabei, sich bettfertig zu machen und war umgekippt. Sie war schon fast kalt, aber er hat noch versucht, sie wiederzubeleben, hat einen Notruf abgesetzt und es kamen Ersthelfer mit Defibrillator und danach der RTW und der Notarzt. Nach kurzer Zeit war klar, dass sie schon zu lange dort gelegen hatte und man nichts mehr für sie tun konnte. Dabei war ich am Telefon
Und dann befindet man sich in einer absoluten Ausnahmesituation und es passieren absurde Dinge. Wir packen mitten in der Nacht unsere Sachen. Kleidung für mich (was? etwas Dunkles? etwas Schwarzes? Ich habe nicht einmal schwarze Schuhe…), für meinen Kleinen Pampers, Spielzeug, die Tonie-Box, Tonies, ein Puzzle, die Matschhose, den Kinderwagen. Wir machen uns fertig und wissen nicht, was alles ansteht und wie der kommende Tag aussieht.
Irgendwann sitzen wir im Auto – der kleine Mann wird ausgerechnet dann wach und fragt „Wo fahren wir hin?“. Ich antworte: „Zu Opapa.“ Er sagt: „ja, und zu Omama!“ und seine Augen leuchten vor Freude. Da kommen mir die Tränen und ich habe einen Kloß im Hals. Die Fahrt unterbrechen wir X mal und hören und singen zur Beruhigung hundert Mal „What Shall we do with the drucken sailor?“.
Das Auto mussten wir unterwegs auch noch laden.
Irgendwann morgens um 6 Uhr kamen wir bei meinem Papa an. Unsere Nachbarn waren bei ihm geblieben und haben auf ihn Acht gegeben.
Und da komme ich in das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und meine Mama lebt nicht mehr. Ihr toter Körper lag im Badezimmer, aber „sie“, meine warmherzige, liebevolle Mama war nicht mehr da. Von nun auf jetzt. Unbarmherzig, ungnädig, brutal. Gegen acht Uhr hat sie das letzte Mal ihr Haus verlassen.
Alles mein kleiner, der kurz vor der Ankunft eingeschlafen war, wach wurde und herein ins Haus kam und mit mir in der Küche auf der Eckbank saß, brach die Sonne durch die Wolken und kitzelte unsere Nase. Da war klar:
Das ist Omama, die schickt uns Sonne und sagt, sie hat uns lieb.
Ich mache einen Blog....
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